(chx 03/17) Man kann sie nicht so richtig terminieren, die Geburtsstunde unseres deutschen Förderkreises. Dass es überhaupt zu unserer mittlerweile fast 30 jährigen Beziehung zu Schwester Felicity kam, verdanken wir im Grunde genommen dem kleinen Schuhputzjungen Mahindra.
 
Der alles entscheidende Moment ist kurz beschrieben und auf Mumbais Straßen keine Seltenheit. Ein kleiner Straßenjunge spricht vor dem Taj-Hotel einen westlichen Geschäftsmann in gebrochenem Englisch an und bittet ihn darum, seine Schuhe gegen ein kleines Entgeld putzen zu dürfen. Während der Junge nun mit seinen kleinen Händen und großen Schuhbürsten emsig den Staub vom Schuhwerk entfernt, entwickelt sich ein Gespräch zwischen den beiden. Erstaunt von den Englischkenntnissen und der Redseligkeit des Jungen fällt wohl die alles entscheidende Frage „Who taught you english?“ –also „wer hat dir denn Englisch beigebracht?“ – „Well Mister, Mother Felicity has told us how to speak english – if you want I can take you to Mother and my school under the tree..“. So ergab es sich, dass der pfiffige Kleine den neugierig gewordenen Geschäftsmann hinter sich zum nahegelegenenen Wellington Garden herzog und einer etwas überraschten Ordensschwester vorstellte. Letztlich führte diese Begegnung dazu, dass unser Geschäftsmann, beeindruckt von der Idee der Ordensschwester, nämlich den Straßenkindern der Gegend durch das Vermitteln der englischen Sprache ein besseres Trinkgeld zu verschaffen, versprach, diese Idee und den kleinen Mahindra zu unterstützen. Der erste westliche Sponsor, der einem Slumkind die Schulgebühren zahlen wollte war  gefunden. Nun, dabei sollte es bekanntlich nicht bleiben. Zunächst war das Schicksal wieder im Spiel. Unser Geschäftsmann aus Kaufbeuren, Otto Feix, verstarb nur kurze Zeit später durch einen Unfall. Gott sei Dank hatte er vorher seinem Sohn Jürgen nebenbei von seinen Erlebnissen in Bombay erzählt und dessen Neugier geweckt. Auch er war auf der nächsten Geschäftsreise nach Indien Gast bei Schwester Felicity, war genauso schnell eingenommen von ihrer Persönlichkeit und ihrer Vision durch Schulbildung Slumkindern aus der Armutsfalle zu helfen.  Resultat dieser Begegnung: aus der Schule unter einem Baum wurde die Schule „mit Dach“, der ersten kleinen Hütte, ihr Name ist auch heute, 30 Jahre später der ursprüngliche: Prem Dan Garden School.
Entscheidend für die Gründung unseres Förderkreises Anfang der 1980er Jahre waren die Überlegungen der beiden Kaufbeurer Unternehmer, Jürgen Feix und Dr. Lang, wie man die Pläne Schwester Felicities und die Unterstützung der Kinderr auf breitere Beine stellen könnte, sprich, wie man den zehnjährigen Schulbesuch der Straßen- und Slumkinder verlässlich finanzieren könnte.
Schnell war die Idee von Patenschaften nach dem Vorbild der Unterstützung unseres Schuhputzjungen Mahindras geboren. Der Vorteil von Patenschaften lag auf der Hand, sind sie doch in der Regel langfristig angelegt, vermindern also die Abhängigkeit von schwankenden Spendeneingängen, zudem verleihen sie dem Engagement der Paten wortwörtlich ein Gesicht. In den folgenden Jahren wuchs der Kreis der Ünterstützer allein durch Werbung im Bekannten- und Geschäftsfreundekreis stetig an.
Damals wie heute gilt, die Unterstützung möglichst unkompliziert, direkt und transparent zu organisieren. Wir verzichten auch heute noch bewusst auf teure Werbung oder auch darauf, aus dem Förderkreis einen Verein zu machen. Die damalige wie heutige Sponsorenstruktur war und ist sehr dezentral. Der bürokratische Aufwand und die Anforderungen an einen Verein (z.B. regelmäßige Mitgliederversammlungen) wären schwer zu organisieren. Die Frage stellte sich auch nie richtig, da schon bald die Evangelische Gemeinde in Kaufbeuren ihre Bereitschaft erklärte, den Transfer der Spenden nach Indien zu übernehmen und unser Hilfsprojekt durch die Ausstellung von Zuwendungsbescheinigungen zu unterstützen. Heute übernimmt dankenswerterweise Pfarrer Klaus von der katholischen Gemeinde St. Vitus aus Mauerstetten i. Allgäu diese Aufgabe.
Einen deutlichen Zuwachs der Unterstützung erfuhren wir im Zuge eines Auftritts Schwester Felicities Mitte der 80er im ZDF im Rahmen eines Deutschlandbesuchs.
Natürlich musste die Hilfe auch verwaltungstechnisch organisiert werden. Alle diesbezüglichen Aufgaben wurden von Beginn an bis 2005 von Frau Pielorz von Swarovski Kaufbeuren übernommen. Nach dem viel zu frühen Tod Dr. Langs, dem Geschäftsführer Swarovskis, übernahm dessen Nachfolger Herr Öfner erfolgreich die Leitung des Förderkreises. Seit 2005, liegt die Leitung nun in unseren Händen.
Und was ist aus Mahindra geworden? Nun, er ist dreifacher Familienvater, arbeitet heute bei der Hilfsarmee in Mumbai, begleitet und betreut nebenbei ausländische Filmcrews bei Dreharbeiten in Mumbai und ist unser Freund, Insider, Ratgeber und Photograph.
Der Förderkreis Prem Dan – Ein Rückblick

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