Update#1 28.4.20 – Indien meldet heute 30.000 bestätigte Corona Fälle und bislang ca. 1000 Tote. Zwei von Eintausend Einwohner Indiens wurden bislang auf das Corona Virus getestet  – dies entspricht dem Testniveau des Senegals. In Deutschland werden mehr als 25 mal mehr Tests durchgeführt. Die momentane Datenlage über die Ausbreitung des Virus in Indien gibt deshalb kein genaues Bild über die tatsächliche Situation. Der Lock Down, die Quarantänemaßnahmen und  das Herunterfahren der Wirtschaft dauern noch bis mindestens Mitte Mai an. Aus den Slums Mumbais (Dharavi, Reay Road..) wurden die ersten Fälle von bestätigten Coviderkrankungen gemeldet. Die Angst vor schlimmen Ausbrüchen steigt unter den Slumbewohnern an. Schwester Sylvia berichtete uns kürzlich von der Klemme, in der die Armen stecken. Gefangen im Lock Down, zwischen Virus und Hunger. Ist die weitere Entwicklung der Epidemie schwer vorauszusagen, so ist der Hunger als Folge der Isolationsmaßnahmen real. „Natürlich haben die Menschen große Angst vor dem Virus, aber wie sollen sie ohne Arbeit und Geld etwas zu essen auf den Tisch stellen? Die Tagelöhner, das Heer von Arbeitsmigranten, der billigen Arbeitskräfte, die im Normalfall Mumbai am Leben halten, haben keine Ersparnisse. Der Staat kümmert sich hier weder um die Gesundheit, die Bildung noch um die Versorgung seiner Bürger mit Lebensmitteln und )Trinkwasser.  Eltern haben Angst um ihre Kinder“, so Schwester Sylvia. Angesichts der sich zuspitzenden Lage in den Slums hat Schwester Sylvia und ihr Team von Prem Dan begonnen zweimal wöchentlich ca. 300 Familien und Arbeitsmigranten mit Lebensmittelpaketen zu helfen und die größte Not, den Hunger, den es in diesem Ausmaß seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat, zu lindern.  (28/4/20 TF)(Quelle: ourworldindata.org; timesofindia.com; Schwester Sylvia)

-27/3/20  „We are storming heaven’s that corona shouldn’t touch the slums“ – so lautete Schwester Sylvias Whats App Botschaft als ich sie am 24. März fragte, wie sich Prem Dan und die Bewohner von Mumbai auf die bevortsehende COVID-19 Infektionswelle vorbereiten. Wer immer die Lebensbedingungen in einen Slum oder auch den überfüllten Flüchtlingslagern in Griechenland vor Augen hat,  kann erahnen, welch humanitäre Katastrophe den Hunderten von Millionen Slumbewohnern weltweit bevorsteht. Und wieder einmal werden diejenigen, die sowieso unter extremer Armut, Mangelernährung und Armutskrankheiten leiden, die größten Opfer bringen. Wie soll Social Distancing, persönliche Hygiene, häufiges Händewaschen und Selbstisolation hier gelingen, wenn schon das Einhalten eines Mindestabstandes eine Illusion ist? Worauf steuern die Menschen in diesen überfüllten Hotspots zu, in einem Land dessen Gesundheitssystem schon in normalen Zeiten überfordert ist und die wenigen guten Kliniken nur den wohlhabenden Schichten Schutz und Hilfe bietet? Was droht also in den Elendsvierteln dieser Welt? Der Coronatsunami inclusive Massensterben?

Und unsere Patenkinder, die gerade in den großen Ferien sind und in der Regel mit ihren Geschwistern und Eltern in den Slums wohnen? Was und wer rettet sie? Möglicherweise der Ferienaufenthalt in den Heimatdörfern der Eltern. Die Bilder von Menschenmassen, die nach der Verkündung einer dreiwöchigen Ausgangssperre in Indien Züge und Buslinien stürmen  gingen gerade durch die deutschen Medien. Vielleicht bewahrt das junge Alter die Kinder Prem Dans vor Schlimmeren. Was kann Prem Dan ausrichten? Bislang nichts, gilt die Quarantäne und die angeordnete Schließung von Schulen, Kinderheimen etc. natürlich auch hier. Es bleibt uns also nur das Abwarten und Hoffen. Hier und dort. Was für ein Widerspruch zur humanistischen Grundidee unserer Gesellschaften, unseres eigenen Handelns und Engagements, Leben und Seelen zu retten. Doch dazu kommen wir gerade nicht.

Sollte es Neuigkeiten von Schwester Sylvia geben, werde ich diese hier zeitnah einstellen.

Machen Sie es gut und bleiben Sie gesund!

 

T.F. 27.3.20

Corona in Mumbais Slums (Update #1)

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